OpenCan.instigate
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Das ausgewiesene Sondermüllproblem.
Ein Hindernis in Offizieller Urban Art Integration beginnt meistens mit dem von der Verwaltung als Sondermüll deklarierten Wertstoffabfall, der oft an sogenannten ‚Hall of Fame’s also öffentlichen Gestaltungswänden zu finden ist. Wenn eine Stadt beschließt, eine solche Wand im öffentlichen Raum einzurichten, steht zunächst häufig das Problem der Sondermüllentsorgung im Raum. Dies wird oft als Totschlagargument gegen ‚Hall of Fame’s verwendet, da die Entsorgung von Sondermüll für die Stadt verwaltungs- und kostenintensiv sein kann.
Die Richtlinien für die Entsorgung von Lackspraydosen basieren auf den potenziellen Gefahren, die von den Inhaltsstoffen der Dosen und ihrem Lagerort ausgehen können. Obwohl bekannt ist, dass viele Dosen meist restentleert sind an ‚Hall of Fame’s, wird das Sondermüllverfahren dennoch angewendet, da nicht garantiert werden kann, dass alle Dosen vollständig entleert sind. Die meist leeren Dosen von ‚Hall of Fame‘-Standorten werden generalisiert dann Sondermüllanlagen zugeführt, wo die Wiederverwertung der Gase und Flüssigkeiten der Lackspraydosen stattfindet. Danach werden die restlichen Metall Wertstoffe normal dem Recycling zugeführt.
Das standardisierte Sondermüllmanagement, welches von den Behörden im Urban Art Kontext eingesetzt wird, wirkt sich nicht nur kontraproduktiv auf die Integration von Urban Art in Städtische Strukturen aus, sondern verfehlt auch die allgemeinen Nachhaltigkeitsziele, wenn man den administrativen und Transportaufwand für die leeren Lackspraydosen als Sondermüll und die Wiederverwertung der nicht vorhandenen Inhaltsstoffe der Lackspraydose berücksichtigt. Durch die mangelnde Durchführung und Verfügbarkeit des Sondermüllverfahrens im öffentlichen Raum landen Lackspraydosen weiterhin in der Umwelt oder im Restmüll. Zusätzlich wird Urban Art-Künstlern fälschlicherweise ein generelles Problem mit Sondermüll zugeschrieben, obwohl es sich in Wirklichkeit meist um ein Problem mit der Entsorgung von Wertstoffmüll handelt, das durch bürokratische Hindernisse verkompliziert wird.
Abfallunternehmen und die Verwaltung.
Auch für Abfallunternehmen sind durch diese festgelegten Vorschriften die Hände gebunden, denn sie dürfen im öffentlichen Raum nur das Sondermüllverfahren für die Entsorgung von Lackspraydosen anbieten. Im privaten Bereich hingegen kann man bei Abfallunternehmen restentleerte Dosen normal dem Wertstoffmüll zuführen. Dabei können sich die Standardregelungen für Lackspraydosen regional unterscheiden. Restentleerte Lackspraydosen gelten in der EU, wie der Aerosolverband, Abfallunternehmen und weitere bestätigen, als Wertstoffmüll. Denn eine leere Spraydose besteht nur noch aus wertvollen Metallen, die wiederverwendet werden sollten. Die Private Regelung unterscheidet sich somit von der öffentlichen Entsorgung von den Spraydosen.
Behörden sowie Abfallunternehmen können oft keine spezielle Lösung für die Entsorgung von Spraydosen an „Hall of Fame“s anbieten und verweisen stattdessen auf das Sondermüllverfahren, das schwer durchführbar ist.
Angesichts dieser Situation gibt es keine Entsorgungsmöglichkeiten für Lackspraydosen an den seltenen freien Gestaltungswänden in meiner Stadt und in vielen anderen Städten sieht man ähnliche Verhältnisse. Dies führt regelmäßig zu einem Problem mit deklariertem Sondermüll an diesen Kreativorten, wo sich auch anderer Müll ansammelt. Mit der Zeit entstehen Müllberge, die von den Abfallunternehmen aufgesammelt und dem Restmüll zugeführt werden. Dieses Bild von deklariertem Sondermüll, gemischt mit Müll von anderen Parteien, wird zunehmend der Urban Art zugeschrieben und hemmt die Integration von Kreativstandtorten.
Die seltenen offiziell eingeführten Sondermülltonnen für Lackspraydosen im öffentlichen Raum benötigen besondere Sicherheitsvorkehrungen. Diese Sondertonnen sind daran erkennbar, dass sie verschlossen sind und in der Regel nicht hineingreifen kann. Zudem müssen sie regelmäßig geleert werden, da die Lagerung von Druckbehältern dies erfordert. Diese Sondermülltonnen für Lackspraydosen sind Spezialanfertigungen; es gibt keine Standardmodelle, die speziell für Lackspraydosen ausgelegt sind. Da diese Sondermülltonnen mit anderen Mülltonnen verwechselt werden können, ist eine nachträgliche Abfallseparation erforderlich, um den Sondermüll von Rest- und Wertstoffmüll wieder zu trennen. Dies ist beispielsweise in Bochum zu beobachten, wo eine nachträgliche Abfallseparation stattfindet und die Stadt etwa 12.000 Euro im Jahr unter anderem für die Entsorgung der Spraydosen ausgibt. Die Verfügbarkeit solcher Tonnen zeigt sich auch in der Anzahl der Entsorgungsstandorte: In Deutschland stehen drei Sondermüllanlagen zu etwa ~3300 Recyclinghöfen gegenüber.
Für Privatpersonen, die ihre restentleerten Dosen dem Sondermüllverfahren zuführen, fallen neben den beim Einkauf für den Grünen Punkt bezahlten Recyclingkosten zusätzliche 2,50 Euro pro Kilogramm für das Sondermüllmanagement an. Dies führt zu einer doppelten Belastung für die Entsorgung der Lackspraydosen.
In der Vergangenheit hatte die Stadt Münster einen eingesetzten Graffitikoordinator, und es gab Berichte über Entsorgungsmöglichkeiten für Lackspraydosen an die Öffentlichkeit aber auch in den Allgemeinen Medien wurden positive Meldungen über die Förderung von Urban Art abgegeben. Die Aktivitäten des damaligen Graffitikoordinators umfassten die Bemalung von Toilettenhäuschen und einzelne Graffiti-Initiativen an Garagentoren. Allerdings scheiterten die Bemühungen, eine effektive und nachhaltige Entsorgungsmethode an den seltenen freien Gestaltungsflächen für Spraydosen zu etablieren. Bis heute landen Spraydosen weiterhin im Restmüll oder in der Umwelt an den freien Gestaltungswänden. Die Stadt investierte jährlich etwa 100.000 Euro in die Verfolgung und Beseitigung illegalem Graffiti.
Eine jahrzehntelange mangelnde Auseinandersetzung der Verwaltung mit Urban Art führt nicht nur in meiner Stadt, sondern auch in vielen anderen Städten zu kulturellen Diskrepanzen und einer fehlenden Akzeptanz für die Kultur der Kunsthandwerker. Städte drohen immer wieder, die ohnehin seltenen Gestaltungsräume zu schließen, sollten diese nicht sauber gehalten werden. Entsorgungskonzepte werden hier durch einfache Mahnungen an die Künstler überflüssig gemacht, und die Kreativorte werden sich selbst überlassen. Sowohl Abfallunternehmen als auch die Verwaltung scheinen keine zukunftsorientierten Lösungen für dieses Problem zu bieten und beleuchten die Urban Art mit einem deklarierten Sondermüllproblem.
Dosenhersteller mit Infoseite.
Die aktuelle Situation im Bereich des Recyclings von Spraydosen seitens Dosenhersteller zeigt, dass trotz der Herausforderungen im Umgang mit Abfallprodukten, wie unter anderem umweltschädlicher Farbe, die Industrie vorwiegend konventionelle Lösungen anbietet. Überschüssige Farben bei Überproduktion oder Rückläufen, die qualitativ nicht mehr den Standards entsprechen, werden als Recyclingware angeboten. Pappmülleimer sind weitere Lösungsansätze von einigen Herstellern. Die Hauptanstrengungen der Dosenhersteller in Sachen Recycling manifestieren sich in Informationsseiten zum Recycling ihrer Produkte. Häufig wird in diesem Zusammenhang auf Systeme wie den Gelben Punkt und die Eigenverantwortung der Endverbraucher hingewiesen. Es fehlen jedoch zukunftsorientierte und nachhaltigere Ansätze sowohl für die Inhaltsstoffe der Spraydosen als auch für deren Entsorgung und die allgemeine Aufklärung über diese.
Entscheidung beim Endverbraucher.
Angesichts der unzureichenden Infrastruktur seitens der Behörden, Abfallunternehmen und Dosenhersteller für die angemessene Handhabung von Lackspraydosen obliegt es dem Endverbraucher, eigeninitiativ zu handeln, um diese Lücken zu schließen und somit den Erhalt und die Weiterentwicklung einer sicheren Kunstumgebung zu ermöglichen. Das OpenCan.tool, ein durch Sprayerpraktiken und Sondermüllmanagementmethoden inspiriertes Werkzeug, dient vorrangig der Aufklärung. Es zielt darauf ab, Nutzern zu vermitteln, wie sie Lackspraydosen eigenverantwortlich recyceln können. Obwohl das eigenverantwortliche Aufstechen der Dosen offiziell nicht anerkannt ist, vereinfacht das OpenCan.tool für die Verbraucher die Teilnahme an umweltfreundlicheren Entsorgungsprozessen, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen. Das Entlüften von Spraydosen macht das oft nicht etablierte Sondermüllverfahren im Kontext der Urban Art entbehrlich und soll die Entsorgungskompetenz der Künstler erhöhen. Da Abfallunternehmen und Behörden selten spezifische Informationskampagnen zu Lackspraydosen durchführen und die Regelungen variieren können, ist es essenziell, dass Künstler sich selbst informieren und nicht an unangemessenen Sondermüllverfahren teilnehmen, wenn dies vermeidbar ist. Halbvolle oder volle Lackspraydosen sollten jedoch, falls sie nicht mehr benötigt werden, weiterhin gemäß dem Sondermüllverfahren entsorgt werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Spraydosen immer noch als umweltschädlich und gefährlich angesehen werden, obwohl das Ausmaß der Problematik nicht so groß ist, wie es in einigen Medien dargestellt wird. Dieser Eindruck wird hauptsächlich durch ein kontraproduktives Sondermüllmanagement der Verwaltung verstärkt, die Lackspraydosen als gefährlicher darstellt, als sie wirklich sind. Die Hersteller sind gefordert, zukunftsorientierte Lösungen für die Inhaltsstoffe der Spraydosen zu finden und proaktive Entsorgungslösungen anzubieten. Auch Endverbraucher sollten bei ihrer Farbwahl und Entsorgung zukunftsorientierte Entscheidungen treffen und sich nach Möglichkeit für nachhaltigere Alternativen entscheiden, wie etwa umweltfreundliche Produkte anstelle von klassischen Werkzeugen.
tl;dr
Das ausgewiesene Sondermüllproblem
- Killerphrase Sondermüll: Die Entsorgung von Sondermüll in der Öffentlichkeit ist für Städte verwaltungs- und kostenintensiv. Das von der Verwaltung ausgewiesene Problem mit Sondermüll für leere Lackspraydosen wird häufig als Totschlagargument gegen freie Gestaltungswände verwendet.
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Generalisierung von Lackspraydosen: Im öffentlichen Raum entsorgte Lackspraydosen, auch wenn meist leer (Wertstoffmüll), werden von der Verwaltung generell gefährlich und als Sondermüll eingestuft.
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Kontraproduktives Sondermüllmanagement (Urban Art Kontext): Die standardisierte Entsorgung von Sondermüll durch die Verwaltung für leere Lackdosen erschwert die Integration von kreativen Orten im städtischen Raum und verfehlt allgemeine Nachhaltigkeitsziele. Dies betrifft den administrativen und logistischen Aufwand für leere Lackdosen sowie die Wiederverwertung ihrer oft nicht mehr vorhandenen Inhaltsstoffe.
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Eingeschränkte Entsorgungsoptionen: Im öffentlichen Raum dürfen Abfallunternehmen nur das Sondermüllverfahren für leere Lackspraydosen anbieten, während es keine Standardmodelle für Sondermülltonnen speziell für Spraydosen gibt und somit oft keine Entsorgungsmöglichkeiten an „Hall of Fame“s vorhanden sind. Restentleerte Lackspraydosen im privaten Bereich können normal recycelt werden bei Abfallunternehmen bzw. im Hausmüll in der Gelben Tonne.
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Nachhaltigkeitsprobleme: Spraydosen werden weiterhin als umweltschädlich und gefährlich angesehen; die Hauptprobleme bestehen im unverhältnismäßigen Sondermüllmanagement für leere Spraydosen. Es scheint auch keine zukunftsträchtigen Lösungen für die Inhaltsstoffe der Lackspraydosen zu geben.
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Entscheidung beim Endverbraucher: Endverbraucher sind sich selbst überlassen und obliegt es sich eigenständig über Handhabung von Lackspraydosen zu informieren, da offizielle Informationskampagnen selten sind und Regulierungen regional variieren können. Zudem können Endverbraucher nachhaltigere Entscheidungen bei ihrer Auswahl an Farbmaterialien und deren Entsorgung treffen um eine sichere Kunstumgebung zu Unterstützen.
